Endfälliges Darlehen – Tilgung am Ende der Kreditlaufzeit

Wer sich einen großen Wunsch wie zum Beispiel ein Auto oder eine Immobilie erfüllen möchte, nimmt häufig ein Darlehen auf. Besonders wichtig dabei ist es, die Tilgung, das heißt die Rückzahlung des Kredits, sorgfältig zu planen. Denn es gibt mehrere unterschiedliche Darlehensarten, die sich unter anderem in Bezug auf die Rückzahlungsmodalitäten unterscheiden. Ein Beispiel: das endfällige Darlehen – ein tilgungsfreier Kredit. Doch was sollte man vorab über das endfällige Darlehen wissen und welche weiteren Darlehensarten gibt es?

Was ist ein endfälliges Darlehen?

Glückliche Familie sitzt auf einer Bank

Wer ein endfälliges Darlehen – auch Festdarlehen, (End-)Fälligkeitsdarlehen oder tilgungsfreies Darlehen – aufnimmt, zahlt den Darlehensbetrag in einer Summe am Ende der festgelegten Darlehenslaufzeit. Die Laufzeit entspricht häufig der Zinsfestschreibung oder Zinsbindung. In dieser Zeit kann man sichergehen, dass die Zinsen nicht steigen. Im Gegensatz zu einem Tilgungs- oder Annuitätendarlehen, bei denen der Darlehensnehmer regelmäßig – meist in Form einer monatlichen Rate – die Schulden abbezahlt, fallen bei einem endfälligen Darlehen während der Laufzeit nur die Zinsen auf das geliehene Geld an. Da die Tilgung aussetzt, spricht man häufig auch von einem Tilgungsaussetzungsdarlehen, kurz TA-Darlehen. Anbieter verlangen in der Regel einen Tilgungsersatz für die Vergabe von Festdarlehen wie beispielsweise Kapitallebensversicherungen oder Investmentfonds, die als Kreditsicherheit an die Bank abgetreten werden.

Der Ablauf des endfälligen Darlehens

Grafik zum Verlauf von endfälligen Darlehen
Während der Laufzeit wird der Kredit nicht getilgt. Es fallen nur die Kreditzinsen an. Mit Ablauf der Laufzeit wird der Kreditbetrag auf einen Schlag fällig.

Annuitätendarlehen

Skizze des Annuitätendarlehens
Die häufigste Darlehensart, die in gleichbleibenden Raten zurückgezahlt wird.
Details zum Annuitätendarlehen

Tilgungsdarlehen

Skizze des Tilgungsdarlehens
Eine Darlehensart, bei der die Kreditsumme in abnehmenden Raten zurückgezahlt wird.
Details zum Tilgungsdarlehen


Rechenbeispiel endfälliges Darlehen

Das folgende Rechenbeispiel verdeutlicht das Prinzip eines Tilgungsdarlehens:

Darlehensbetrag: 100.000 Euro, Laufzeit: 5 Jahre, Sollzinssatz: 2,00 %

Jahr
Restschuld Jahresbeginn
Restschuld Jahresende
1.
100.000 €
100.000 €
2.
100.000 €
100.000 €
3.
100.000 €
100.000 €
4.
100.000 €
100.000 €
5.
100.000 €
0 €

*das Beispiel ist kein Finanzierungsangebot.


Weitere Darlehensarten

Die häufigste Darlehensart ist das Annuitätendarlehen. Wer ein Annuitätendarlehen aufnimmt, zahlt den Kredit in gleichbleibenden Raten, den sogenannten Annuitäten, zurück. Eine Rate besteht aus einem Tilgungs- und Zinsanteil. Der Tilgungsanteil steigt mit der Zeit an – der Zinsanteil, der auf die verbleibende Schuld berechnet wird, sinkt. Ein herkömmlicher Ratenkredit sowie Baudarlehen werden häufig in Annuitäten getilgt. Der Vorteil: Der Kreditnehmer kann die Rückzahlung der Schulden optimal planen und weiß stets wie hoch die finanzielle Belastung sein wird. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Tilgungsdarlehen, häufig auch Ratendarlehen genannt. Bei der Ratentilgung nehmen die Monatsraten mit der Zeit ab. Der Tilgungsanteil bleibt dabei über die gesamte Darlehenslaufzeit gleich, während der Zinsanteil aufgrund der sinkenden abnimmt.

Festdarlehen: Höheres Risiko für Kreditgeber, höhere Zinslast für Kreditnehmer

Endfällige Darlehen sind weniger verbreitet als Annuitäten- und Tilgungsdarlehen. Der Grund: Die Bank hat ein größeres Kreditausfallrisiko. Meist tilgt ein Kreditnehmer seine Schulden kontinuierlich. Das Kreditausfallrisiko der Bank verringert sich dadurch mit jeder Zahlung. Beim Endfälligkeitsdarlehen erhält die Bank jedoch das Geld erst nach Ablauf der Darlehenslaufzeit zurück. Insbesondere in der Baufinanzierung ist das Risiko für Banken daher relativ hoch, da die Darlehenssummen meist sehr hoch sind. Um sicherzustellen, dass der Kreditnehmer auch wirklich in der Lage ist, seinen Kredit auf einen Schlag zurückzuzahlen, verlangen Banken in der Regel einen Tilgungsersatz wie zum Beispiel eine Lebensversicherung, die an die Bank abgetreten werden muss. Ein endfälliger Kredit wird daher nur vergeben, sofern der Kreditnehmer über zusätzliche Sicherheiten verfügt wie eben eine Lebensversicherung, deren Auszahlungssumme den Kredit komplett deckt. Kommt es zu einer Zahlungsunfähigkeit des Darlehensnehmers, erhält die Bank ihr Geld über die jeweilige Sicherheit.

Für den Kreditnehmer hat ein Kredit ohne Tilgung einige Nachteile. Um das erhöhte Kreditausfallrisiko zu kompensieren, verlangen Banken in der Regel höhere Zinsen auf ein Festdarlehen. Hinzukommt, dass der Kreditnehmer bei einem endfälligen Darlehen in der Regel ohnehin mehr Zinsen zahlt als beispielsweise bei einem Kredit mit regelmäßiger Tilgung. Der Grund: Die Restschuld bleibt über die gesamte Laufzeit gleich. Damit bleiben aber auch die Zinsen, die auf die Restschuld berechnet werden, konstant hoch. Bei einem Annuitäten- oder Ratendarlehen sinken die Zinskosten kontinuierlich. Man sollte außerdem die finanzielle Belastung durch die sehr hohe einmalige Zahlung am Ende der Zinsfestschreibung nicht unterschätzen.

Vorsicht bei Kombi-Produkten

Ein endfälliges Darlehen lohnt sich nur in wenigen Fällen. Häufig werden endfällige Darlehen jedoch an einen Bausparvertrag oder eine Kapitallebensversicherung gekoppelt. Das Prinzip: Der Privatkunde zahlt in den Bausparvertrag/Lebensversicherung ein und nutzt die Bausparsumme bzw. die Versicherungssumme bei Fälligkeit, um den Kredit zu tilgen. Das zahlt sich häufig nicht aus. Denn neben zusätzlichen Verwaltungskosten für zwei Verträge decken die Zinsgewinne häufig nicht die Zinskosten des Darlehensvertrages. Außerdem ist nicht immer gewährleistet, dass die Fälligkeit der Geldanlage mit dem Ablauf des Kreditvertrages zeitlich optimal abgestimmt ist.

Für wen eignet sich ein endfälliger Kredit?

Glückliche Familie spielt gemeinsam im neuen Garten

Für Privatkunden ist es aufgrund der Sicherheiten, die Banken verlangen, sehr schwierig, ein Festdarlehen zu erhalten. In den meisten Fällen zahlt es sich auch nicht aus, ein endfälliges Darlehen aufzunehmen. Es gibt jedoch Ausnahmen. Wer beispielsweise eine Immobilie kauft, um diese anschließend zu vermieten, für den kann sich ein endfälliges Darlehen lohnen. Der Grund: Die Kreditzinsen sind in solchen Fällen häufig steuerlich absetzbar. Für Selbständige, die in ihr Unternehmen investieren möchten und über entsprechende Sicherheiten verfügen, kann ein endfälliges Darlehen auch sinnvoll sein. Ein tilgungsfreier Kredit kann sich außerdem als Zwischenfinanzierung anbieten. Wer beispielsweise ein Haus besitzt, jedoch umziehen und ein neues Haus kaufen möchte, kann häufig ein endfälliges Darlehen aufnehmen. Der Erlös aus dem Immobilienverkauf der alten Immobilie fließt dann in die Tilgung des neuen, endfälligen Kredits.

Häufig erhoffen sich Darlehensnehmer bei einem endfälligen Darlehen außerdem Zinsgewinne. Wer beispielsweise über Aktienfonds verfügt und diese als Sicherheit für einen tilgungsfreien Kredit angibt, kann – je nach Wertentwicklung – Gewinne erzielen. Das Problem: Niemand weiß, wie sich Kurse zukünftig entwickeln. Man sollte daher bedenken, dass bei der Koppelung einer solchen Geldanlage an ein endfälliges Darlehen Risiken bestehen. Fallen nämlich die Kurse, kann es passieren, dass nicht ausreichend Kapital zur Verfügung steht, um das Darlehen endfällig zu tilgen.

Wie sinnvoll ist ein Festdarlehen?

Auch wenn es verlockend klingt, ein Darlehen endfällig zu tilgen – meist zahlt sich ein Festdarlehen nicht aus. Kreditnehmern sollte daran gelegen sein, möglichst schnell die Schulden zurückzuzahlen. Der Effektivzins ist bei den meisten Angeboten aktuell sehr niedrig. Man sollte den Kredit daher möglichst schnell tilgen, um die niedrigen Zinsen optimal zu nutzen. Wer eine Anschlussfinanzierung benötigt, erhält in der Regel außerdem bessere Konditionen, je niedriger die verbleibende Restschuld ist.

Es ist in den meisten Fällen sinnvoller, ein Tilgungs- oder Annuitätendarlehen anstelle eines endfälligen Darlehens aufzunehmen. Mit einem Annuitätendarlehen kann man sehr viel besser planen und ist in der Regel auch flexibler: Viele Anbieter erlauben es, die Tilgungsrate mehrmals anzupassen sowie Sondertilgungen vorzunehmen. Sollte sich in Zukunft die eigene finanzielle Situation zum Beispiel durch einen Jobwechsel oder eine Erbschaft verändern, kann man die Tilgungsrate entsprechend erhöhen. Wer sich vorab ausreichend mit dem Thema Tilgung beschäftigt und einen durchdachten Tilgungsplan aufstellt, kann die Rückzahlung optimal planen und unnötige Mehrkosten vermeiden.