Tilgungsdarlehen: kontinuierlich sinkende Raten

Ob für einen neuen Fernseher, ein schickes Auto oder eine Eigentumswohnung – viele Deutsche greifen auf ein Darlehen von einem Finanzdienstleister zurück, wenn sie sich einen großen Wunsch erfüllen möchten. Vor der Aufnahme eines Kredites sollte man jedoch beachten, dass es unterschiedliche Darlehensarten gibt. Je nach persönlicher finanzieller Situation kann dabei eine Darlehensart sinnvoller sein als eine andere. Das Tilgungsdarlehen ist eine Möglichkeit, den Kredit zurückzuzahlen. Doch was genau ist ein Tilgungsdarlehen – häufig auch Abzahlungsdarlehen genannt – und welche Vor- und Nachteile hat diese Kreditform?

Was ist ein Tilgungsdarlehen?

Glückliche Eltern spielen mit Kleinkind

Wer ein Tilgungsdarlehen – auch Abzahlungsdarlehen und Ratendarlehen genannt – aufnimmt, zahlt den Kredit in abnehmenden Raten zurück. Diese setzen sich aus Zins und Tilgung zusammen und können je nach Vertrag zu unterschiedlichen Zeitpunkten gezahlt werden, zum Beispiel monatlich oder jährlich. Der Tilgungsanteil, die sogenannte Tilgungsrate, bleibt über die gesamte Laufzeit, die häufig der Zinsbindung entspricht, konstant. Man spricht deshalb häufig von einer linearen Tilgung. Der Zinsanteil des Tilgungsdarlehens nimmt hingegen mit fortschreitender Zeit ab. Der Grund: Die Zinsen werden auf die verbleibende Restschuld berechnet. Da diese mit jeder Ratenzahlung sinkt, nehmen auch die Zinskosten entsprechend ab. Die finanzielle Belastung ist somit bei der Ratentilgung anfangs am höchsten, da die Schulden zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht beziehungsweise kaum getilgt wurden.

Der Ablauf des Tilgungsdarlehens

Grafik zum Verlauf von Tilgungsdarlehen
Die Höhe der Raten nimmt kontinuierlich ab, da sich der Zinsanteil mit jeder Zahlung verringert. Der Tilgungsanteil bleibt konstant. Die finanzielle Belastung ist zu Beginn der Rückzahlung am höchsten.

Annuitätendarlehen

Skizze des Annuitätendarlehens
Die häufigste Darlehensart, die in gleichbleibenden Raten zurückgezahlt wird.
Details zum Annuitätendarlehen

Enfdälliges Darlehen

Skizze des endfälligen Darlehens
Eine weniger verbreitete Darlehensart, da der Kreditbetrag auf einen Schlag fällig wird.
Details zum endfälligem Darlehen


Rechenbeispiel Tilgungsdarlehen

Das folgende Rechenbeispiel verdeutlicht das Prinzip eines Tilgungsdarlehens:

Darlehensbetrag: 100.000 Euro, Laufzeit: 5 Jahre, Sollzinssatz: 2,00 %,Tilgung: 2%

Jahr
Zinsanteil
Restschuld Jahresende
1.
2.000 €
95.000 €
2.
1.900 €
90.000 €
3.
1.800 €
85.000 €
4.
1.700 €
80.000 €
5.
1.600 €
75.000 €

*das Beispiel ist kein Finanzierungsangebot.


Wichtig: Das Rechenbeispiel verdeutlicht auch, wie wichtig es ist, eine möglichst hohe Tilgung von Beginn an zu vereinbaren. Die Schuldenfreiheit rückt sonst in weite Ferne.

Weitere Darlehensarten

Neben dem Tilgungsdarlehen gibt es weitere Darlehen, zwischen denen Kreditnehmer häufig wählen können. Die Darlehensarten unterscheiden sich unter anderem in Bezug auf den Zeitpunkt der Rückzahlung (zum Beispiel monatlich, vierteljährlich oder auch einmalig) sowie der Zusammensetzung aus Zins und Tilgung. Die häufigste Kreditform – sowohl bei einem herkömmlichen Ratenkredit als auch einer Baufinanzierung – ist das sogenannte Annuitätendarlehen.

Annuitätendarlehen und Tilgungsdarlehen – wo liegt der Unterschied?

Tilgungsdarlehen und Annuitätendarlehen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten. Wer ein Annuitätendarlehen als Kreditform wählt, zahlt über die gesamte Laufzeit gleichbleibende (meist monatliche) Raten, die sogenannten Annuitäten. Beim Tilgungsdarlehen hingegen nimmt die Höhe der Raten im Laufe der Zeit ab. Des Weiteren unterscheiden sich diese Darlehensarten in der Zusammensetzung der Rate aus Zins und Tilgung. Während beim Tilgungs- bzw. Abzahlungsdarlehen der Tilgungsanteil über die gesamte Tilgungsdauer konstant bleibt, nimmt dieser beim Annuitätendarlehen kontinuierlich zu. Der Zinsanteil ist bei jeder Darlehensart anfangs am höchsten und nimmt mit sinkender Restschuld ab.

Festdarlehen und Volltilgerdarlehen

Auch wenn die Annuitäten- und Ratentilgung die häufigsten Darlehensarten sind – es gibt weitere Möglichkeiten, einen Kredit zu tilgen, die in Ausnahmefällen sinnvoll sein können. Wer zum Beispiel ein Festdarlehen – häufig auch endfälliges Darlehen – aufnimmt, zahlt den gesamten Darlehensbetrag erst mit Ablauf des festgelegten Darlehenszeitraums. Während der Laufzeit fallen nur die Zinsen auf das geliehene Geld an. Diese Tilgungsart eignet sich mitunter für Geschäftskunden, die in ihr Unternehmen investieren möchten oder in wenigen Fällen auch Privatkunden, die eine hohe Geldsumme, zum Beispiel aus einer Lebensversicherung, fest einplanen können. Eine weitere Darlehensart ist das sogenannte Volltilgerdarlehen: Der Kreditbetrag wird hier innerhalb der Laufzeit komplett getilgt. Es bleibt somit keine Restschuld, wie es bei hohen Kreditbeträgen – insbesondere in der Baufinanzierung – üblich ist. Da die Monatsraten entsprechend hoch ausfallen, eignet sich eine Volltilgung nur in seltenen Fällen für Baudarlehen.

Tilgungsverrechnung mit Tilgungsplan abstimmen

In Darlehensverträgen wird in der Regel festgelegt, zu welchem Zeitpunkt die sogenannte Tilgungsverrechnung stattfindet. Bei der Tilgungsverrechnung werden die geleisteten Ratenzahlungen von der Restschuld abgezogen. Dabei gilt: Je häufiger die Tilgungsleistungen verrechnet werden, desto weniger Zinsen fallen an. Denn die Restschuld sinkt schneller und damit auch die Zinsen auf das Darlehen. Es empfiehlt sich daher, die Tilgungsverrechnung mit den zu leistenden Ratenzahlungen abzustimmen.

Vorteile eines Tilgungsdarlehens

Ein Tilgungsdarlehen hat den Vorteil, dass die finanzielle Belastung für den Kreditnehmer mit der Zeit abnimmt, da sich die Kreditrate kontinuierlich reduziert. Der valutierende Kreditbetrag – der noch nicht zurück gezahlte Darlehensbetrag – reduziert sich bei Tilgungsdarlehen durch die frühzeitige hohe Tilgung in der Regel sehr schnell. Nach einiger Zeit hat man somit für andere Ausgaben etwas mehr finanziellen Spielraum als bei konstant gleichbleibenden Raten. Allerdings sollte man hier bedenken, dass die anfängliche Belastung entsprechend hoch ist. Ein weiterer Vorteil, insbesondere bei hohen Krediten wie in der Baufinanzierung: Der Darlehensnehmer kann bereits zu Beginn der Finanzierung eine höhere Tilgung leisten als beispielsweise bei einem Annuitätendarlehen.

Wann ist ein Tilgungsdarlehen sinnvoll?

Wer beispielsweise ein Haus kauft und noch im Ruhestand seinen Kredit abbezahlen muss, für den kann unter Umständen ein Tilgungsdarlehen sinnvoller sein als beispielsweise ein Annuitätendarlehen. Der Grund: Die Raten nehmen mit der Zeit ab. Und damit auch die finanzielle Belastung. Gerade im Ruhestand reduziert sich das Einkommen meist sehr stark – eine niedrigere Kreditrate kann hier sehr sinnvoll sein. Aufgrund der anfänglich hohe Raten wird ein Tilgungsdarlehen im Vergleich zum Annuitätendarlehen jedoch eher selten genutzt.

Wann kann man ein Tilgungsdarlehen kündigen?

Mutter mit Kleinkind im neuen Haus

Wenn man beispielsweise überraschend erbt, kann es passieren, dass man das Darlehen nicht mehr benötigt und kündigen möchte. In der Regel verlangen Kreditgeber nun eine Entschädigung, die sogenannte Vorfälligkeits-entschädigung. Die Ausnahme: Verträge mit einer Zinsbindungsfrist von zehn Jahren können laut Gesetz kostenfrei gekündigt werden. Eine Vorfälligkeitsentschädigung zu verlangen ist in diesen Fällen nicht zulässig. Die Höhe der Entschädigung richtet sich in der Regel nach der verbleibenden Restschuld und Vertragslaufzeit. Wer die 10-Jahres Marke noch nicht erreicht hat und auch über kein vertraglich vereinbartes Kündigungsrecht verfügt, benötigt in der Regel die Zustimmung der Bank. Manche Anbieter sind hier kulanter als andere. Vor Vertragsunterzeichnung sollte man prüfen, ob und unter welchen Bedingungen ein Kündigungsrecht vertraglich vorgesehen ist.

Mit dem richtigen Darlehen schneller schuldenfrei

Darlehen ist nicht gleich Darlehen – es ist daher wichtig, sich vor Unterzeichnung eines Darlehensvertrages über die verschiedenen Darlehensarten zu informieren. Je nach Investitionsvorhaben, Eigenkapitalanteil, Einkommen und sonstigen Sicherheiten kann ein bestimmtes Darlehen besonders sinnvoll sein. In den meisten Fällen zahlt es sich außerdem aus, den Tilgungsbetrag von Beginn an recht hoch anzusetzen. So wird man schneller schuldenfrei und kann einiges an Zinskosten sparen. Wer sich für eine bestimmte Darlehensart entschieden hat, sollte die Konditionen der verschiedenen Kredit-Anbieter genauestens prüfen und einen Kreditvergleich vornehmen. Einzelne Bestimmungen, zum Beispiel zur Häufigkeit der Tilgungsverrechnung oder der Möglichkeit Sondertilgungen vorzunehmen, können sich von Anbieter zu Anbieter stark unterscheiden und unnötige Kosten verursachen.