Sondertilgung: Sonderzahlung beim Kredit

Was ist eine Sondertilgung?

Als Sondertilgung bezeichnet man eine unplanmäßige Zahlung, die zusätzlich zu den monatlichen Raten eines Kredits geleistet wird. Durch Sondertilgungen (auch Sonderzahlungen genannt) verringert man die Darlehenssumme und kann so schneller schuldenfrei werden und seinen Kredit schneller abbezahlen. Allerdings muss das Recht auf Sondertilgungen im Kreditvertrag festgehalten werden; ein generelles Recht auf Sonderzahlungen gibt es nicht.

Bei welchen Kreditarten ist eine Sondertilgung möglich?

Grundsätzlich kann in jeder Form von Kredit das Recht auf Sonderzahlungen festgehalten werden, indem die beiden Vertragspartner (also Kreditnehmer und Kreditinstitut) sich bei den Vertragsverhandlungen darauf einigen. In der Praxis sieht es aber so aus, dass bei den meisten Baufinanzierungen eine Sondertilgung vereinbart wird, wohingegen bei Ratenkrediten das Sondertilgungsrecht seltener in Anspruch genommen wird.

Sonderfall bei langjährigen Darlehen

Laut Gesetz hat jeder Darlehensnehmer ein Sonderkündigungsrecht bei Krediten die über eine Laufzeit von mindestes zehn Jahren verfügen. Nach zehn Jahren gibt es dann die Möglichkeit das Darlehen mit einer sechsmonatigen Frist zu kündigen. Natürlich muss dann auch das gesamte Darlehen bei der Bank zurück gezahlt werden – auch diese Zahlung wird als Sondertilgung gewertet, denn sie findet außerhalb der regulären Zahlungen statt.

Bei einer Kreditablösung erstattet diese Sonderzahlung den gesamten noch ausstehenden Restbetrag eines Darlehens inklusive der zu zahlenden Zinsen. Dieses Sonderkündigungsrecht wird vor allem zum Bankenwechsel bei Umschuldungen genutzt. Die neue Bank stellt dann die Summe, die zur Sondertilgung notwendig ist und vergibt so ein neues Darlehen mit neuer Laufzeit und neuen Konditionen.

Manche Banken erheben bei einer Kreditablösung als Ausgleich für verlorene Zinsgewinne eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Diese Entschädigung kann dazu führen, dass die Umschuldung unrentabel wird, da diese Kosten die Ersparnis bei früherem Kreditende übersteigen.

Was ist bei einer Kredit-Sondertilgung zu beachten?

Über eine mögliche Sondertilgung sollte man sich bereits vor Vertragsabschluss Gedanken machen, denn diese muss im Kreditvertrag festgehalten werden. Bei bereits bestehenden Verträgen gibt es kaum eine Möglichkeit, diese Klausel noch einzufügen. Banken und Kreditinstitute sind nicht unbedingt daran interessiert, dass der Kunde dieses Recht erhält, da eine vorzeitiges Ende der Kreditlaufzeit für sie einen Zinsverlust bedeutet. Aus diesem Grund erhöhen manche Kreditgeber im Gegenzug für das verankerte Sondertilgungsrecht den Zinssatz. Auch andere Varianten wie eine Bearbeitungsgebühr plus eine prozentuale Sonderzahlung sind möglich. Hier ist es sinnvoll genau hinzusehen und zu vergleichen.

Auf diese Punkte sollte man bei der Sondertilgung genau achten:

  • Alle Abmachungen und Details müssen im Vertrag festgehalten werden
  • Es sollten keine Gebühren für Sonderzahlungen erhoben werden
  • Größtmögliche Flexibilität durch freie Terminwahl für die Sondertilgung
  • Im Idealfall keine Beschränkung beim maximal möglichen Sonderzahlungsbetrag

Höhe und Häufigkeit der Sonderzahlungen

Ebenfalls vertraglich festgelegt wird, wie oft pro Jahr oder Kreditlaufzeit Sondertilgungen möglich sind und wie hoch diese sein dürfen. Meist hat man einmal jährlich die Möglichkeit eine Sonderzahlung vorzunehmen. Die Höhe der Sondertilgung wird oft prozentual festgelegt, also zum Beispiel 5 % der Gesamtkreditsumme. Es gibt aber auch Banken, die eine Mindestsumme festlegen, die als Sondertilgung getätigt werden muss, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Abweichungen sind auch hier Verhandlungssache, man sollte jedoch im Auge behalten, dass mit einem Anstieg des Sondertilgungsbetrags auch höchstwahrscheinlich der Zinssatz steigt.

Reduziert die Sondertilgung die monatlichen Raten und die Laufzeit?

Die meisten Kredite werden als Annuitätendarlehen abgeschlossen. Das bedeutet, dass bis zur vollständigen Rückzahlung des Kreditbetrages inklusive Zinsen, die monatliche Rate stets gleich hoch bleibt. Die Höhe der monatlichen Raten kann nur durch eine gesonderte Anpassung verändert werden, Sonderzahlungen habn darauf keinen Einfluss. Durch Sonderzahlungen verringert man aber die noch ausstehende Restschuldmenge. Da die Raten gleich hoch bleiben, bedeutet dies im Gegenzug, dass die Kreditlaufzeit sich verringert, denn es muss insgesamt weniger Geld zurückgezahlt werden. So kann man durch regelmäßige Sondertilgungen die Kreditlaufzeit entscheidend verkürzen und schneller schuldenfrei werden.

Was sind das feste und optionale Sondertilgungsrecht?

Beim optionalen Sondertilgungsrecht steht es dem Kreditnehmer frei ob er von seinem Recht auf Sonderzahlung Gebrauch macht oder nicht. Dies ist besonders bei schwankender finanzieller Situation sinnvoll. Sollte man in einem Jahr genügend Geld für eine Sondertilgung übrig haben, kann man diese vornehmen. Sollte im nächsten Jahr keines übrig sein, verzichtet man auf die Zahlung.

Bei einem festen Sondertilgungsrecht verpflichtet sich der Kreditnehmer zu einem festen Zeitpunkt einen vereinbarten Betrag als Sonderzahlung einzuzahlen. Dieses Verfahren erfordert gute Planung, kann aber zum Beispiel für jährlich sicher eintreffende Bonusbeträge hervorragend genutzt werden.

Sind Sondertilgungen sinnvoll?

Ein Mann hält Geldscheine in der HandEin generelles „Ja“ oder „Nein“ gibt es auf diese Frage nicht. Die Sinnhaftigkeit der Sondertilgung hängt nicht nur mit den Vertragskonditionen im einzelnen zusammen, sondern auch mit der wirtschaftlichen Lage, dem eigenen Finanz-Know-How und nicht zuletzt der persönlichen Situation. Werden Gebühren für die Sondertilgung erhoben oder würde die Aufnahme in den Vertrag den Zinssatz zu sehr verschlechtern, kann es sinnvoller sein, keine Sonderzahlungen zu leisten und den Kredit lediglich mit monatlichen Raten zu tilgen.

Nutzeneffekte im Blick behalten

Auch die wirtschaftliche Lage bzw. der derzeit geltenden Zinssatz spielen eine Rolle. So besteht die Möglichkeit, dass es sinnvoller ist, das Geld, das man für eine Sondertilgung nutzen wollte, besser anlegt, da die Zingsgewinne die Zinszahlungen übersteigen da man so bessere Gewinne erzielen kann. Um hier wirklich punkten zu können und immer je nach aktueller Wirtschaftslage entscheiden zu können, ist eine gewisse Kenntnis der Finanzmärkte notwendig. Eine dauerhafte, immer gültige Lösung gibt es hier nicht.

Sondertilgung nicht um jeden Preis

Fatal ist es in den meisten Fällen, die Sonderzahlung zu erzwingen. Wer zum Zeitpunkt der möglichen Sonderzahlung kein Geld zur Verfügung hat, sollte genau abwägen, ob er dann das Sondertilgungsrecht in Anspruch nehmen will. Keinesfalls sollte der Dispokredit genutzt werden, um den bestehenden Kredit zu tilgen. Die Zinsen für den Dispo sind in den meisten Fällen um vieles höher als die eines üblichen Ratenkredits.

Zusätzliches Kapital sinnvoll nutzen

Nicht zuletzt spielt auch die persönliche Lebenssituation eine gravierende Rolle. Befindet man sich zum Beispiel in einem Beschäftigungsverhältnis bei dem regelmäßig Bonuszahlungen, Gewinnbeteiligungen oder ähnliches eintreffen, ist es von Vorteil eine Sondertilgung beim Kredit zu vereinbaren, da man das überschüssige Geld sinnvoll nutzen kann. Auch wenn bekannt ist, dass innerhalb der Kreditlaufzeit größere Geldbeträge eintreffen, zum Beispiel aus Lebensversicherungen oder Erbschaften, sollte dies in die Planung mit einbezogen werden. Generell ist man mit einem Sondertilgunsgrecht flexibler in der Finanzplanung. Ist andererseits nicht damit zu rechnen, dass man Geld für eine Sondertilgung beiseite legen kann, ist es sinnvoller auf dieses Recht zu verzichten – sofern sich dadurch eine Zinssenkung erhandeln lässt.