Tilgung gut planen und Kredit stressfrei zurückzahlen

Ein neues Auto, ein Ersatz für die kaputte Waschmaschine, der Traumurlaub oder die eigene Immobilie: Es gibt zahlreiche Gründe, einen Kredit aufzunehmen. Doch ist es oft nicht die Aussicht auf die Erfüllung eines Wunsches, sondern vor allem günstige Zinsen und die verschiedensten Angebote für fast jeden Wunsch, die den Gang zur Bank für viele Menschen aktuell noch attraktiver machen.

Doch so verlockend ein bestimmtes Angebot auch sein mag – überstürzen sollte man die Kreditaufnahme nie. Denn eines darf man nicht vergessen: Jedes Darlehen will auch getilgt werden. Eine genaue Planung der Rückzahlung ist unumgänglich. Schließlich sollte gewährleistet sein, dass man sich den Kredit auch langfristig problemlos leisten kann.

Was bedeutet Tilgung?

Selbst wenn es sich um einen finanziellen Notfall handeln sollte – ein Kredits sollte nicht überstürzt oder vorschnell aufgenommen werden. Denn schließlich erwartet die Bank, dass die geliehene Summe inklusive Zinsen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes vollständig beglichen wird. Man spricht von Tilgung. Und diese sollte gut geplant sein, sodass der Kredit problemlos zurückgezahlt werden kann. Wie die Schulden getilgt werden, ist im persönlichen Kreditvertrag festgehalten. Es gibt dabei keine einheitlich festgelegte Vorgehensweise.

Zusammensetzung einer Tilgungsrate

Im Normalfall werden Darlehen in regelmäßigen Raten getilgt. Und weil nicht nur die geliehene Summe, sondern auch Zinsen (quasi als Leihgebühr) gezahlt werden müssen, setzen sich die Raten in der Regel aus einem Tilgungs- und einem Zinsanteil zusammen. Wie das Verhältnis dieser Anteile ist, hängt von der Tilgungsart des Kredits ab.

Verschiedene Arten der Tilgung

Grafik zur Veranschaulichung der Annuitäten- und Ratentilgung

Kredit ist nicht gleich Kredit – und häufig liegt der Unterschied in der Art der Tilgung. Die Rückzahlung läuft nicht bei jedem Darlehen gleich ab. Je nach Kreditart und Vereinbarung mit der Bank sind folgende Tilgungsarten möglich:

  • Annuitätentilgung: Die häufigste und beliebteste Form der Tilgung. Der Kredit wird in stets gleich hohen Raten zurückgezahlt. Anfangs setzt sich eine Rate noch aus einem sehr großen Zins- und einem entsprechend kleinen Tilgungsanteil zusammen. Diese Gewichtung verschiebt sich mit fortschreitender Laufzeit. Für den Kreditnehmer macht dies jedoch keinen Unterschied. Er profitiert von den immer gleichbleibenden Raten, die für eine hohe Planbarkeit sorgen.
  • Ratentilgung: Ebenfalls eine bekannte und häufige Tilgungsform. Dabei nimmt die Ratenhöhe im Laufe der Zeit immer weiter ab, bis der Kredit ganz zurückgezahlt ist. Der Tilgungsanteil ist bei jeder Rate gleich hoch, während der Zinsanteil stetig sinkt. Grund dafür ist, dass die Zinsen jeweils auf die verbleibende Restschuld berechnet werden – und diese sinkt natürlich mit jeder gezahlten Rate, was wiederum die Zinslast vermindert.
  • Endfällige Tilgung: Eine weitere Möglichkeit der Kredittilgung, die jedoch deutlich weniger verbreitet ist. Der Kreditnehmer zahlt während der Laufzeit lediglich die auf den Kredit anfallenden Zinsen. Die Kreditsumme selbst wird erst ganz zum Schluss auf einen Schlag getilgt. Das sogenannte endfällige Darlehen, immer wieder auch als tilgungsfreier Kredit oder Darlehen ohne Tilgung bezeichnet, kann sinnvoll sein, wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt eine größere Geldsumme, zum Beispiel aus einer Lebensversicherung, erwartet.

Schneller schuldenfrei mit Sondertilgung

Ein überraschender Geldsegen, ob durch Gehaltserhöhung oder Bonuszahlung, ist immer erfreulich – und Kreditnehmern besonders willkommen. Schließlich möchte man den Kredit in der Regel möglichst schnell zurückzahlen. Da die meisten Banken bei ihren Darlehen die Option auf Sondertilgungen anbieten, ist es möglich, zusätzlich zur Verfügung stehendes Geld in die Kredittilgung zu stecken.

Sondertilgungen sind Sonderzahlungen, die außerplanmäßig und zusätzlich zu den monatlichen Tilgungen geleistet werden. Welche Vorgaben und Beschränkungen dafür gelten, ist im Kreditvertrag festgehalten. Die Richtlinien variieren von Anbieter zu Anbieter. Übliche Beschränkungen betreffen zum einen oft die Höhe der Sondertilgungen – meist sind nur Zahlungen bis zu einem gewissen Prozentsatz der Gesamtsumme möglich –, zum anderen die Häufigkeit. In der Regel sind Sondertilgungen nur in einem begrenzten Maße möglich.

Kann man die Tilgung berechnen?

Wer den vollständigen Ablauf der Tilgung berechnen möchte, muss die Rahmenbedingungen des Darlehens kennen. Die Kredithöhe, der Zins und die Laufzeit müssen klar definiert sein. Auch die Regelungen zu Sondertilgungen sollten im besten Fall bekannt sein. Erst mit diesen Eckpunkten ist eine Berechnung der Tilgung möglich.

Allerdings kann sich der Kreditnehmer die Mühe in der Regel sparen und darauf verzichten, den Tilgungsverlauf selbst zu berechnen. Denn die Bank erstellt in den meisten Fällen einen Tilgungsplan, der den genauen Ablauf Monat für Monat darstellt. Auch die Verteilung von Zins- und Tilgungsanteil bei jeder Rate ist hier ersichtlich. Wer schon vor dem Besuch bei der Bank die Tilgung berechnen möchte, kann online einen Kredit- oder Baufinanzierungsrechner nutzen und so einen ersten Einblick erhalten.

Sonderfall Baufinanzierung: Worauf muss bei der Tilgung geachtet werden?

Was bedeutet Volltilgung?

Der Begriff Volltilgung spielt vor allem im Baufinanzierungsbereich eine Rolle. In der Regel wird ein Baudarlehen innerhalb der vereinbarten Laufzeit nicht vollständig getilgt. Es bleibt eine Restschuld. Wer sich dagegen für eine Volltilgung entscheidet, tilgt die komplette Baufinanzierung inklusive Zinsen und ist am Ende der Laufzeit schuldenfrei. Volltilgerdarlehen sind allerdings nur für wenige Menschen sinnvoll beziehungsweise überhaupt erschwinglich. Denn für eine hundertprozentige Tilgung muss die monatliche Rate entsprechend hoch angesetzt werden.

Der Kauf oder Bau einer eigenen Immobilie ist für die meisten Menschen eine der teuersten Anschaffungen ihres Lebens. Für die Finanzierung reicht ein regulärer Kredit deshalb häufig nicht aus. Stattdessen kommt eine besondere Variante ins Spiel, die auch die Aufnahme höherer Summen ermöglicht: das Baudarlehen. Aufgrund der oft hohen Kreditsumme verläuft auch die Tilgung etwas anders.

Beim Abschluss der Baufinanzierung wird neben Kreditsumme, Zinsen und Laufzeit auch ein bestimmter Tilgungssatz festgelegt. Er bestimmt, wie viel Prozent des Gesamtkredits in einem Jahr zurückgezahlt wird. Er kann ganz individuell zwischen einem und hundert Prozent schwanken und hat großen Einfluss auf die monatliche Rate. Je höher der Tilgungssatz, desto höher auch die Rate. Die Laufzeit bleibt dagegen vom Tilgungssatz unberührt. Denn sie orientiert sich bei einem Baudarlehen nicht am Zeitpunkt der vollständigen Tilgung. Stattdessen zeigt sie die sogenannte Zinsbindung an, also den Zeitraum in dem vereinbarte Kreditzins bestehen bleibt und sich nicht ändert.

Aufgrund der oft sehr hohen Kreditsumme werden Baudarlehen selten innerhalb der Zinsbindung vollständig getilgt. Eine Restschuld bleibt in fast allen Fällen. Um diese zu begleichen, muss ein neuer Kredit, die sogenannte Anschlussfinanzierung, aufgenommen werden. Die Konditionen für diesen werden neu verhandelt.

Kein Darlehen ohne Tilgung: Problemlose Rückzahlung dank guter Planung

Um die Rückzahlung seines Kredits kommt man nicht herum – es sei denn, man möchte Ärger und Probleme, wie beispielsweise die Verpfändung des Besitzes, riskieren. Wer einen Kredit abschließt, sollte schon beim Abschluss wissen, dass er die vereinbarten Raten auch langfristig zahlen kann. Mit einem Darlehen, das schon vor der Unterschrift des Kreditvertrages für schlaflose Nächte sorgt und Ängste vor einer Zahlungsunfähigkeit weckt, tut man sich selten einen Gefallen.

Wer jedoch die eigene finanzielle Situation realistisch einschätzt und die Tilgung gut plant, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Beratungsgespräche bei der Bank und ein gut ausgearbeiteter Tilgungsplan helfen dabei und ebnen den Weg zu einem stress- und sorgenfreien Kredit.